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03.05.2014

Bunt statt braun - #BlockaDO 1. Mai 2014

Bunt statt braun - #BlockaDO 1. Mai 2014 Nazis sind doof. Das wissen alle. Nur die Nazis selber nicht!
Sandra: Ich war heute auf meiner ersten Nazi-Gegendemo. Also, auf meiner ersten richtigen. Ich habe letztes Jahr in Münster gestanden, als der NPD Truck da war und auch in Gelsenkirchen. Aber diese 8 NPD'ler kann man nicht mit über 400 Nazis vergleichen. Und ich war bei "Kein Meter den Nazis" in Münster. Da aber eher Beobachterin, weil ich meinen Ex-Freund begleitet hat, der ein kleines Video dazu gedreht hat. Ich habe ja immer ein bisschen Angst, wenn ich auf Hundertschaften treffe(n muss). Man sieht ja immer Bilder. Weil irgendwie niemand aus Münster nach Dortmund gefahren ist, habe ich mich Daniel Düngel, Torsten Sommer, Olaf Wegner und David Grade angeschlossen. Menschen, die ich kenne. Es ist wichtig, den Nazis Wiederstand zu zeigen. Diese Menschen haben hier und auch überall anders keinen Platz.
Daniel: 1. Mai, der Tag an dem traditionell die Gewerkschaften den Tag der Arbeit feiern. Seit Jahren aber auch traditionell der Tag an dem Faschisten auf die Straße gehen um ihre hirnrissigen Forderungen abzusondern. Für mich seit Wochen klar: ich werde bei den Gegendemonstrationen dabei sein. Ich entschied mich für Dortmund, weil Dortmund als Nazihochburg gilt und viele Faschisten zu erwarten waren. Nicht zuletzt aber auch, weil die Piratenpartei die Gegenveranstaltung und damit das Bündnis BlockaDO unterstützen. Warum die Unterstützung richtig und wichtig war, werde ich nochmal in einem separaten Blogpost verarbeiten.
Gegen 11:30 Uhr sind wir am Dortmunder Hauptbahnhof mit der S-Bahn Richtung Westerfilde gefahren. Überraschung. Durch die Blockade am Gleis hielt der Zug da nicht (Was uns klar war) aber wir hofften, dass wir eine Station davor oder danach hätten aussteigen können. Satz mit X war wohl nichts. Der Zug hielt in Mengede wo am Bahnhof vereinzelt Polizisten standen. Nach dem wir vergebens einen Bus auf dem Fahrplan gesucht haben, haben wir ein Taxi gesucht und haben vor der Polizeiwache zwei Nazis gesehen. Beobachter. Der Bahnhof in Westerfilde war großräumig abgesperrt. Die Polizei lässt niemanden in die Nähe des Bahnhofs.
Daniel: Ich zücke deutlich früher als geplant das erste mal meinen MdL-Ausweis. Schnell wird klar, als Abgeordneter kommt man natürlich durch. Mit ein wenig Überzeugungskraft gelingt es uns, dass auch Sandra als Begleitperson mitkommen kann. Hierbei werden unsere Personalien festgehalten, was uns in den nächsten Tagen dazu veranlassen wird, eine entsprechende Anfrage an die Dortmunder Einsatzleitung abzuschicken, was mit den Daten passiert. Unsere Erfahrungen aus Hamburg sind ja eher negativ :D Mir ist nach wie vor unklar, was ich davon zu halten habe. Die Polizei möchte uns nicht zu den Gegenmaßnahmen, die größtenteils angemeldet wurden, durchlassen. Die Blockade auf dem S-Bahnhof wurde als Versammlung angemeldet. Warum dürfen wir nicht offiziell an dieser Versammlung teilnehmen??
Als die erste Rutsche Nazis aus der U-Bahn geführt wurden und an uns vorbei, lief dort eine Frau von mitte zwanzig her und versteckte ihr Gesicht hinter ihren Haaren. Ich musste ein bisschen lachen. Wenn man als Nazi/Demonstrant auf eine Nazi-Demo/Demo geht, dann doch, weil man zu 100% dahinter steht? Weil man den Menschen zeigen will: Wir und ich wollen genau DAS. Wir standen lange an der Westerfilderstraße und haben überlegt was wir tun können. Wie wir die Demo aufhalten können. Wir wir das alles abbrechen lassen können. Als fast einzige Möglichkeit sahen wir den Tunnel. Auch wurde eine Blockade angesprochen. Wir waren in diesem Moment 5 Leute. Eine Blockade von 5 Menschen kann nicht viel bewirken. Wenn wir blockieren gäbe es 3 Möglichkeiten: 1. die Polizei würde uns ggf. einkesseln und die Nazis an uns vorbei schleusen. 2. die Polizei fordert uns auf zu gehen und geht dann bei nicht erfüllen der Aufforderung in den letzten Punkt über 3. lässt die Straße räumen und trägt uns weg. Die Nazi Kundgebung war beendet. Die Nazis formierten sich und gingen einige Meter. Daniel setzte sich auf den Boden und schnell folgten die anderen 4 Menschen. Die Aktion war nicht im Vorfeld geplant und relativ spontan am Telefon abgesprochen. Die Grüne Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger kam gerade zufällig vorbei und wir sagten, sie solle sich doch zu uns setzten, was sie auch tat.David verteilte "Nazis stoppen" Postenkarten an uns und der Nazizug stoppte.
Schnell füllte sich die Straße mit Pressefotografen, viele Medien berichteten darüber, dass Landtagsabgeordnete sich den Nazis in den Weg stellten. Verärgert waren wir über die Berichterstattung der Ruhrbarone, die das ganze als PR-Gag wertete. Ein PR-Gag von Menschen, die teilweise schon am Vorabend auf der Straße aktiv waren, die seit 9 Uhr auf den Beinen waren, die teilweise an der Organisation der Gegendemo beteiligt waren? Nein, wir taten dies aus Überzeugung, so wie wir an beiden Tagen an unterschiedlichen Aktionen beteiligt waren. Die bisherige Berichterstattung hierzu nervt und am Ende bleibt für uns nur die Gewissheit, das Richtige getan zu haben - auch wenn man sicher hätte ein wenig länger sitzen bleiben sollen. Aber womöglich können wir tausend mal sagen, wie es war und ihr werdet immer noch der Presse glauben.

28.02.2014

Zwei Kameras und viele Fragen - 2 Schritte weiter

Vor über einer Woche habe ich in Münster Kameras entdeckt.  
Ich berichtete hier.

Ein paar Tage darauf war ich schon einen kleinen Schritt weiter.
Ich berichtete hier.

Nach wie vor warte ich noch auf die Antwort der Datenschutzbeautragten der Stadt Münster. Ich glaube, das kann noch ein bisschen dauern. Schade.   

Frau Beck hat mir die Antworten auf ihre kleine Anfrage zu kommen lassen:

Wer hat die Kamera aufgestellt/angebracht?
Die Kamera wurde vom Grundstückseigentümer angebracht.

Steht Sie auf einer öffentlichen oder privaten Fläche?

Die Kamera steht nicht auf öffentlicher Fläche.

Welche Funktion/welchen Zweck hat die Kamera?

Mit der Kamera werden im Rahmen des Hausrechts ("verlängertes Auge") die Grundstückseinfriedung und der rückwärtige Gartenbereich überwacht. Ziel ist es Graffiti-Sprayer zu überführen, die in der Vergangenheit Schänden in Höhe von von rund 20.000 Euro an das Haus und Einfriedung verursacht haben.

Gibt es eine Genehmigung für die Aufstellung der Kamera?

Eine Genehmigung ist nicht erteilt, und auch nicht erforderlich. 


Schauen wir uns die Bilder noch mal an: Ich könnte, wenn ich dort ein Graffiti sprühen möchte, die Kameras einfach aus machen in dem ich sie zerstöre. Ich könnte sogar etwas drüber hängen. Und das ohne von den Kameras erfasst zu werden.

2005 ging es um eine Kamera. Die Kamera an der Garage kam wohl zwischen 2005 und 2014 dazu. 
Diese zweite Kamera wird sehr wohl öffentlichen Raum filmen, da sie auf den Gehweg vor der Garage gerichtet ist. 

Fr. Heuer sagte mir bereits beim letzten Telefonat, dass es strenge Auflagen für private Kameras gibt. Also müsste es, glaube ich, eine Genehmigung geben bzw. erforderlich sein.


Wir warten einfach weiter gespannt. 

20.02.2014

Zwei Kameras und viele Fragen - 1 Schritt weiter

Am Montag berichtete ich von Zwei Kameras und viele Fragen.

Heute bin ich kleine Schritte weiter.
Ich habe in den letzten Tagen versucht die Datenschutzbeauftragte der Stadt Münster telefonisch zu erreichen. Da das nicht geklappt hat, habe ich darauf hin Frau Beck, der Ratsdame der SPD, eine Mail geschrieben und nach gefragt.

Gestern bekam ich folgende Antwort:


Heute habe ich die Datenschutzbeauftragte der Stadt Münster, Frau Heuer, erreicht.
Diese sagte, dass es strenge Auflagen für private Kameras gibt, die öffentlichen Raum filmen. Zu recht.

Sie wird das ganze überprüfen und sich dann bei mir melden.

Ich muss sagen ich bin sehr, sehr, sehr gespannt. 


(Mit Fr. Beck ist abgesprochen, dass ich den Screenshot ihrer Mail hier veröffentlichen darf)

17.02.2014

Zwei Kameras und viele Fragen...

Als ich gestern Abend noch spontan in Münster unterwegs war sind mir bei einem Spaziergang an der Promenade Kameras aufgefallen. Entweder sind die die Kameras recht neu oder sie sind mir noch nie aufgefallen.

Die Kameras befinden sich am Ende der Wallgasse. 
Orte der Kamera ungefähr eingezeichnet

Die erste Kamera kann man von der Promenade aus sehen und zeigt auf ein Haus.
Als ich ein paar Schritte in Richtung des Hauses ging, kam mir ein Pärchen mit Hund endgegen. Plötzlich ging ein helles Licht an. Ungefähr 5-10 Meter vor der Kamera.
Die Kamera hat einen Bewegungsmelder mit einem hellen, grellen Licht, welches fast den ganzen Platz vor dem Haus erhellt.
Kamera und Haus liegen ca. 30 Meter auseinander. 

Mir fällt eine weitere Kamera auf. Diese hängt an einer Garage auf der rechten Straßenseite gegenüber vom Haus. Sie ist auf den Gehweg gerichtet. Auch diese hat dieses grelle, helle Licht.

Als ich von der Promenade aus die Gasse betrat, konnte ich kein Schild entecken, welches darauf hindeutet, dass hier _irgendetwas_ videoüberwacht wird.
Heute habe ich ebenfalls noch mal nach einem "Dieser Bereich wird videoüberwacht" oder einem ähnlichen Schild gesucht. Nichts.

Der Bereich vor dem Haus ist kein Privatgelände, sondern eine Wendebucht. 

Aus dem Flyer der LDI (Landesbeauftragten für Datenschutz und Informartionsfreiheit) kann man entnehmen, dass das Gesetz Videoüberwachung als "Beobachtung öffentlich zugänglicher Räume mit optisch-elektronischen Einrichtungen" definiert.
Dies geschieht nicht erst wenn Bilder aufgezeichnet oder gespeichert werden sondern schon dann, wenn eine Kamera installiert wird auch wenn die Geräte nur im Bedarfs- oder Alarmfall aufzeichnen oder wenn sie zur bloßen Beobachtung genutzt werden.

Desweiteren steht dort, dass es eine Hinweisplicht auf die Videoüberwachung geben muss:

"Die Videoüberwachung und die dafür verantwortliche Stelle sind gem. § 6b Abs. 2 BDSG durch geeignete Maßnahmen erkennbar zu machen. Der Hinweis ist deutlich sichtbar anzubringen. Er muss vor Betreten des überwachten Bereiches problemlos wahrnehmbar sein, damit die freie Entscheidung für oder gegen das Betreten möglich ist.
Ob etwa ein Schild mit dem Text: "Achtung, hier Videoüberwachung" oder ein eindeutiges Kamerasymbol gewählt wird, bleibt freigestellt."

Weitere Informationen kann man hier nachlesen:

Mal davon ab, ob die Kameras nun legal oder illegal dort hängen: Welchen Sinn machen sie? Die Kameras können relativ leicht außer Betrieb gesetzt werden, da sie durchaus zu erreichen sind, ohne vom Bewegungsmelder erfasst zu werden. 
Welchen Sinn machen Kameras generell? Sie täuschen Sicherheit vor, die es nicht gibt. Im konkreten Fall ist es sogar so, dass sich vorbeigehende Menschen eher von den anspringenden Lichtern erschreckt fühlen, als dass sie sich irgendwie sicher fühlen. Mir ging es gestern jedenfalls so.

Ich möchte dort nicht gefilmt werden. Erst recht nicht, wenn das von einem privaten Haushalt getan wird. Eigenes Haus schützen gut und schön, aber sie haben nicht das Recht öffentlichen Raum zu filmen oder gar zu überwachen.

Ich, als Piratin, kann dies nicht einfach auf mir Ruhen lassen.
Ich habe eine Mail an die Datenschutzbeauftrage der Stadt Münster geschickt und warte auf eine Antwort. In dieser Mail frage ich, ob die Kameras genehmigt sind.
Vermutlich wird heute keinder Antwort mehr kommen. Deswegen werde ich morgen, Dienstag 18.02, dort anrufen und nachfragen.

Gerade habe ich mal nach "Kameras Wallgasse" gegoogelt und fand:

Die Kameras sind scheinbar seit mindestens 2005 dort installiert. Eine Antwort auf die SPD-Anfrage findet man dort allerdings nicht. Transparenz? Nachvollziehbarkeit? Fehlanzeige. Ich werde also auch dort nachhaken.
Die Fragen die nun aufgekommen sind kann ich zum einen aus der Anfrage von 2005 übernehmen:
Wer hat die Kamera aufgestellt/angebracht?
Steht Sie auf einer öffentlichen oder privaten Fläche?
Welche Funktion/welchen Zweck hat die Kamera?
Gibt es eine Genehmigung für die Aufstellung der Kamera?


Und durch 
Wieso findet man keine Antworten zum dem Tagesordnungspunkt?
Wieso befindet sich dort keine Beschilderung? 


ergänzen.

Ich werde versuchen alle Fragen zu beantworten.

Helles Licht ist hell
 
Blick von der Promenade aus










Blick von vor dem Haus auf die Kamera


28.11.2013

Ein kleines bisschen Unseriös

Seit ein paar Wochen  taucht der Hashtag #lazybpt immer mal wieder auf. In meinen Tweets und in denen von dem @maltis und auch der @rwolupo ist nicht ganz ohne Beteiligung.

Angefangen hat alles damit, dass ich beim letzten LPT in NRW in Jogginghose aufgetaucht bin. Und dann kam das so ins Rollen... Irgendwie. 
Und ich finde es ist ein toller Gedanke.

Es ist total das Gegenteil zu dem #abendgarderobeflashmob am BPT2011.1 von @afelia http://www.marinaslied.de/?p=553

Warum das Ganze?
Ganz einfach: Ich will nicht seriös, wie all die anderen Politiker der SPD, CDU (...) wahrgenommen werden.
Ich habe das Gefühl, dass ich zu diesen Menschen eher heraufschaue, als dass sie mit mir auf einer Ebene sind. Als stünden Politiker noch über den Reichen. Ein Klassensystem halt.
In meinem ersten Blogpost habe ich geschrieben: 

"Ich will ehrliche Menschen mit einer ehrlichen, verständlichen und nachvollziehbaren Politik!
Ich will Politiker die sich wie Menschen verhalten, sich gegenseitig Fehler erlauben und auch mal machen.   
Ich will, dass Politiker zeigen, dass auch sie nur Menschen sind!"
Welcher Politiker zeigt sich denn mal normal als Mensch? Wie er in der Freizeit  herumläuft? Ich kenne kein Bild der Kanzlerin ohne ihren Hosenanzug, nur in Kleidern für andere Anlässe.

Am Ende sind wir doch alle nur Menschen. 

Und so ein Bundesparteitag ist eben ein Bundesparteitag.
Wir lümmeln auf unseren Stühlen vor den PC's herum. 
Wir stimmen Dinge ab, wir unterhalten uns mit Menschen - unseren Freunden und Mit-Piraten.

Politik wird nicht durch Kleidung, sondern durch Köpfe gemacht. 
Karl Lagerfeld sagte eins: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“  -dann habe ich gern die Kontrolle verloren! Sehr gerne.
Die Jogginghose ist das bequemste was es gibt. 
Und es macht immer noch einen Unterschied, wie man in der Jogginghose auftaucht.
Nur weil man eine Jogginghose trägt, ist man nicht ungepflegt/unhygienisch. 
Man ist einfach... einfach.

Macht beim #lazylpt mit.
Am Ende sollte es aber jedem selbst überlassen sein: denn wir sind die Partei, die für Vielfältigkeit und Selbstbestimmung steht.
Ich fände es übrigens voll cool, wenn wir für den nächsten BPT ein Motto hätten. Eines, was total cool ist! . 

Macht beim #lazybpt mit und setzt ein Zeichen gegen die Seriosität und für mehr Mensch-Sein.
Das Motto ist: "Dekandenter Glamour und/oder lässige Jogginghose"

Machst du mit? Hier entlang: https://piratenpad.de/p/lazybpt
Hast du Ideen für ein Motto für den BPT14.1? Hier entlang: https://piratenpad.de/p/lazybpt

Übrigens: 
Am 1.12. ist wieder Welt-AIDS-Tag.
Ich  werde auf dem BPT die Rote Schleife als Symbol der Solidarität mit  HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen an meinem Oberteil tragen

01.11.2013

Quoten gehören für mich nicht in die Piratenpartei

Hallo.
Mein Name ist Sandra, ich bin eine Frau und 19 Jahre alt.

Dies mit der Frauenquote ist immer so an mir vorbei gegangen. Ich habe mich dafür nicht wirklich interessiert. Ich habe das bis jetzt nur bei den Grünen mitbekommen - aber es war für mich noch nie von Bedeutung.
Ich finde es zumindest schade, dass es heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist, dass Mann und Frau - nein, vielmehr alle Menschen - gleiche Chancen in der Arbeitswelt haben und extra eine Quote eingeführt werden soll um dies zu ermöglichen!!
Ich weiß nicht, ob ich in der "normalen" Arbeitswelt sowas haben will/muss.
Aber um eine Chancengleichheit zu ermöglichen müssten entweder überall Quoten eingeführt werden oder die Gesellschaft muss sich endlich mal ändern. (Ich bevorzuge zweiteres)
Die Gründe für eine Quote in der Arbeitswelt kann ich sehr gut verstehen und nachvollziehen. Finde es aber schade, dies durch eine Quote "erzwingen zu müssen"

Aber in die Politik gehört sowas, für mich, definitiv nicht! Und schon gar nicht in die Piratenpartei

Schauen wir uns mal die Anträge kurz an:

SÄA016 (Gremien/Listen)
"Mindestens ein Drittel der Mitglieder soll aus Frauen oder Menschen, die sich selbst nicht als Mann identifizieren, bestehen." 
UND
"Mindestens ein Drittel jeder Liste soll aus Frauen oder Menschen, die  sich selbst nicht als Mann identifizieren, bestehen. Unter den ersten  drei Listenplätzen soll mindestens eine Frau oder eine nicht-männliche Person sein."

SÄA017 (Gremien/Listen)
"Mindestens die Hälfte der Mitglieder soll aus Frauen oder Menschen, die sich selbst nicht als Mann identifizieren, bestehen."
UND
"Mindestens die Hälfte jeder Liste soll aus Frauen oder Menschen, die  sich selbst nicht als Mann identifizieren, bestehen. Unter den ersten  beiden Listenplätzen soll eine Frau oder eine nicht-männliche Person  sein."

SÄA033 (wurde gelöscht)
"Mindestens ein Drittel der Mitglieder aller gewählten Gremien der  Piratenpartei soll aus Trans* oder Intersexuellen Menschen sowie Frauen bestehen." 
UND
"Mindestens ein Drittel der Menschen auf jeder Liste soll aus Trans* oder Intersexuellen Menschen sowie Frauen bestehen. Unter den ersten drei Listenplätzen soll mindestens ein Trans* oder Intersexueller Mensch oder eine Frau sein. "

Habe ich nicht verstanden

"Alle gewählten Gremien der Piratenpartei auf Landes- und Bundesebene sind zu mindestens einem Drittel mit Frauen zu besetzen. "
UND
"Alle Wahllisten der Piratenpartei auf Landes- und  Bundesebene sind zu mindestens einem Drittel mit Frauen zu besetzen. Unter den ersten drei Listenplätzen muss mindestens eine Frau sein. "
// "Die Satzungsänderung tritt am 2.12.2013 in Kraft. "

"Alle gewählten Gremien der Piratenpartei sind zu mindestens einem Drittel mit Frauen zu besetzen. "
UND
"Alle Wahllisten der Piratenpartei sind zu mindestens einem Drittel mit Frauen zu besetzen. Unter den ersten drei Listenplätzen muss mindestens eine Frau sein. 
// "Die Satzungsänderung tritt am 2.12.2013 in Kraft."

"Alle gewählten Gremien der Partei sollen geschlechtergerecht besetzt werden. Sofern ausreichend Kandidatinnen und Kandidaten zur  Verfügung stehen, sollen die Gremien zu mindestens einem Drittel aus  Frauen und einem weiteren Drittel aus Männern bestehen. "
UND
"Alle Wahllisten der Piratenpartei sollen  geschlechtergerecht besetzt werden. Sofern ausreichend Kandidatinnen und  Kandidaten zur Verfügung stehen, sollen diese zu mindestens einem  Drittel aus Frauen und einem weiteren Drittel aus Männern bestehen. Auf  den ersten drei Listenplätzen soll mindestens eine Frau und ein Mann  sein. "

"Alle gewählten Gremien der Piratenpartei sind zu mindestens 5%  mit Behinderten zu besetzen sofern sie mehr 10 oder mehr Mitglieder  umfassen. "
UND
"Alle Wahllisten der Piratenpartei sofern sie  mindestens 10 Personen umfassen sind zu mindestens 5% mit Behinderten  (Nachweis durch amtlichen Behindertenausweis mit mindestens 50%  Behinderungsquote) zu besetzen. Für Listen bis zu 20 Personen wird  jeweils ein Behindertenplatz an erster Rangstelle vergeben. Für Listen  mit mehr als 20 Personen jeweils 5%, die Zahlen werden jeweils auf volle  Ganzzahlen aufgerundet. "

"Finden sich nicht ausreichend behinderte Bewerber werden die ausgeschriebenen Plätze durch nichtbehinderte Bewerber besetzt. 
Die Satzungsänderung tritt am 2.12.2013 in Kraft."

SÄA52
"Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für geschlechtergerechte Ergebnisse von Wahlen und Besetzungen der Ämter und Gremien in der Partei ein. Eine Quote zur Erreichung dieses Ziels wird abgelehnt"

"Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für geschlechtergerechte Wahllisten in der Partei ein. Eine Quote zur Erreichung dieses Ziels wird abgelehnt."
 

Und jetzt schauen wir uns noch mal eine Kandidaten-Liste an:
Wie viele Frauen seht ihr jeweils und wie viele Männer?
Wie viele Menschen mögen davon trans- oder intersexuell sein?

SÄA 16,17 & 33 sprechen transexuelle Menschen sowie Menschen, die sich nicht als Mann identifizieren, an. 
Aber was ist, wenn Person A kandidieren will, sich zum Zeitpunkt der Wahl aber noch nicht sicher ist, was er ist?
Was ist, wenn Person B kandidieren will aber sich noch nicht outen will?
Welchem Geschlecht gehören diese Personen nach den SÄA an?

Hallo.
Wir sind die Piratenpartei.
Wir stehen unter anderem für freie Wahlen und Selbstbestimmung.
Eine Quote, die erfüllt werden muss, bringt einen Zwang mit!
Ich MUSS mich also für eine Frau entscheiden und wenn ich das nicht will, MUSS ich mich enthalten. Darf aber die Stimme nicht einem Mann geben, dessen Arbeit ich gut/besser finde!

Ich finde, speziell in der Piratenpartei brauchen wir keine Quote. 
Ich fühle mich nicht benachteiligt! Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich benachteiligt werden würde, wenn ich irgendwo für kandidiere.
Denn: wenn ich für irgendwas kandidiere kann ich überzeugen. Oder auch nicht! Und dann werde ich gewählt. Oder eben nicht!
Wenn die Mehrheit die aufgestellten Frauen nicht in irgendwelchen Posten oder auf den Listenplatz 1-3 sieht, dann ist das so. Das ist  Demokratie! 
Wenn ich zurück blicke, in der kurzen Zeit in der ich dabei bin, dann kann ich direkt sagen, dass in NRW und Berlin auf Listenplatz 1 eine Frau war und dass der LaVo aus drei Frauen und fünf Männern besteht! 

Im Grunde hat jeder die gleiche Chance gewählt zu werden. 
Man stellt sich auf, hat verschiedene Ziele und Vorangehensweisen.
Im Grunde muss sich die Person einfach nur "gut anstellen".
Frauen werden auch ohne Quote gewählt.
Die  Frauen stellen sich bestimmt nicht nicht auf, weil sie sich keine Chancen ausrechnen, sondern weil ... Ja - das "Warum" sollten wir herausfinden!

Wir haben wenige Frauen in der Partei, ja!
Gefühlt stellen sich aber noch weniger auf.

Deswegen sollten wir bevor wir Lösungen dafür suchen, herausfinden warum sich Frauen nicht aufstellen.
Und das sollten wir Frauen direkt fragen.

Es wird keine Quote geben, mit der sich alle "Minderheiten" nicht mehr "benachteiligt sehen".
Wir könnten auch den BuVo erweitern und für alle Minderheiten einen Posten schaffen.
Und wir könnten einen Menschen suchen der alle "Minderheiten" bedient. Dieser Mensch ist dann unser Spitzenkandidat. Wäre ja nur gerecht.
Für alle.
Ich weiß, dies ist lächerlich und womöglich habe ich damit Menschen verärgert. 

Kurz und knapp:
Ich bin gegen eine Quote weil wir die Werte der Gleichberechtigung vertreten wollen. Dafür brauchen wir keine extra Quote.
Und wir sollten erst überlegen wo genau überhaupt das Problem liegt.
Deswegen habe ich einen Antrag gegen Quoten eingereicht.

Ich werde zu diesem Thema keine Diskussionen auf Twitter führen. 140 Zeichen sind mir zu wenig.
Ich bin gerne bereit zu diskutieren aber nur wenn man fair mit mir umgeht.
Dies alles ist meine Meinung! 

27.10.2013

Über den Umgang mit Kritik

Wir sparen uns hier eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Begriffs Kritik und dessen Bedeutung in der Gesellschaft oder dergleichen. Das können und wollen wir nicht.
Außerdem gibt es dazu bereits zwölfdrillionen Abhandlungen viel viel schlauerer Menschen. 

Für uns, den drei Autoren dieses Blogbeitrags (@fidelisamica, @saendralein und @rwolupo), ist Kritik und der Umgang mit selbiger eines der Kernprobleme unseres innerparteilichen Umgangs miteinander. 

Da das Ganze wohl etwas länger wird, ein tl;dr mit entsprechendem Hinweis, frei nach Georg Cristoph Lichtenberg: "Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.": wenn du dir nicht ein paar Minuten Zeit für diesen Beitrag und vor allem für das Problem, welches hier behandelt wird, nehmen möchtest, bist du möglicherweise auch nicht der richtige Adressat. Oder vielleicht doch genau der/die Richtige. 

Wir beginnen mal mit einem Zitat. Wilhelm Busch sagte einst:
"Diese persönlichen Stänkereien vor den Augen des versammelten Publikums sind mir unglaublich widerwärtig. Hol's der Teufel!"

Twitter muss es schon damals gegeben haben. Oder so was Ähnliches. Jedenfalls ist unser öffentlicher Umgang mit Kritik nicht grad eine unserer Stärken. Und nein, hierbei geht es nicht um Transparenz. Wenn wir uns inhaltlich und sachlich streiten wollen, dann können wir das gerne tun. Mit Livestream und so. Aber Twitter ist dafür ein eher ungeeignetes Medium.

Die Probleme bei Twitter sind
1. Twitter ist immer nur eine sehr kurze Momentaufnahme. Hinzukommende Leser und Akteure kennen fast nie den gesamten Diskussionsverlauf oder andere Hintergründe, die sich bereits vorher abgespielt haben.
2. Twitter ist nun mal begrenzt auf 140 Zeichen. Wir finden's ja toll, wenn man sich kurz und knapp ausdrücken kann, aber für umfängliche Kritik reicht das nicht. 
3. Die Filterbubble. 30, 40 Tweets zu einem Thema zeigen in der eigenen Timeline direkt einen recht großen Schwerpunkt. In Wahrheit interessiert das, worüber da grad wenige twittern, möglicherweise gar nicht so viele Menschen. Durch die eigene Filterbubble fasst man dadurch etwas als wichtig und gehyped auf, obwohl es das vielleicht gar nicht ist.
4. Die Person an der Kritik geübt wird fühlt sich an den Pranger gestellt und ungerecht behandelt auch wenn die Kritik gut gemeint ist.

Durch die Filterbubble erhöht sich Kritik, daraus erhöht sich der Druck dann künstlich. Retweets, +1 oder andere Zustimmungen sind Immer wieder zu sehen. Die Grundlagen für einen Shitstorm innerhalb unserer Filterbubble sind gelegt. Wenige male zu Recht, weil jemand wirklich in die Kacke gegriffen hat. Oft zu Unrecht, weil aufgebauscht wird. Weil wir uns gegenseitig anstacheln oder Dinge missverstanden werden aufgrund der knappen Zeichenverfügbarkeit.

Uns geht es hier zwar zum einen auch um die Selbstdarstellung, zum anderen aber auch um das, was man mit dem Kritisierten erreicht. 
Im günstigsten Fall greift der Kritisierte selbst Massenkritik auf und ändert $Dinge. 
Vielleicht ignoriert er sie. 
Vielleicht verletzt der ausgelöste Shitstorm.
Vielleicht ist die Kritik aber auch gar nicht berechtigt und aus einem Missverständnis und/oder falschen Tatsachen heraus entstanden.

Und wenn all das passiert, darf die "Gegenseite" nicht schweigen. Wir meinen nicht, dass man sich blind hinter bzw. vor einem stellen soll. Wir meinen, dass man seine Meinung äußern muss, wenn Unrecht geschieht. Steht bitte für Eure Meinung ein. Zeigt einen Zusammenhalt! Oder schlichtet sogar den "Streit" und helft somit bei der Konfliktlösung.

"Nur wenige Menschen sind klug genug, hilfreichen Tadel nichtssagendem Lob vorzuziehen."
(François de La Rochefoucauld, 1613-80, frz.  Schriftsteller)

"I like criticism. It makes you strong."
Lebron James

Wir glauben, wir sind uns alle in einem einig: Kritik ist wichtig, Feedback ist immens wichtig. Ob Kritik stark macht, wissen wir nicht, "the chosen one" sieht es offenbar so und nimmt Kritik entsprechend wahr. Fakt ist: Nur wenn ich Feedback erhalte, kann ich feststellen, ob ich etwas gut gemacht habe. Oder eben schlecht und beim nächsten Mal $Dinge vielleicht anders angehen sollte. Kritik ist also wichtig um mich weiterentwickeln zu können.

Wir nennen hier mal konkrete Beispiele: 
Die Reden im Plenum des Landtags. Manchmal gibt's Feedback wie "toll gemacht", "geile Rede" oder "du hast dies und jenes vergessen" und so weiter - positives und negatives Feedback. Lob und Kritik.  
Aber wie gehe ich damit um, wenn es kein Feedback gibt? Welche Schlüsse ziehe ich daraus? 
Ich gehe davon aus, dass alles richtig und gut war und ich es beim nächsten Mal genauso machen kann. Dabei wird mir aber nicht von anderen bewusst gemacht, dass das was ich da geschrieben habe im Grunde totale Kackscheiße war oder einfach nicht angebracht. Schlicht: ich weiß es nicht. Sagt es!

Will sagen: Kritik ist immer wichtig! 
Bitte äußert Euch, wenn Euch was auf dem Herzen liegt!
Und bitte entschuldigt: Aber Nachfragen sind ausdrücklich erlaubt, ja, gewünscht. 
Wenn der Kritisierte nicht versteht, was gemeint ist, dann sollte er - nein - er muss nachfragen. 
Denn erst dann ergibt Kritik einen Sinn - wenn man es versteht und vielleicht sogar einen Nutzen draus ziehen kann.

"Es gibt Menschen, die sich immer angegriffen wähnen, wenn jemand eine Meinung ausspricht."
Christian Morgenstern

Ein weiteres Problem ist der passive Umgang mit Kritik. Es gibt viele Piraten, die sich sehr sehr schnell zurückziehen, wenn Kritik geäußert wird, weil sie sich angegriffen fühlen. Die Frage ist: wie gehen wir damit um? Persönliche Angriffe sind hier noch weniger zielführend als generell. Hier bedarf es angepasster Kritik (Vier-Augen und sowas) und vor allem hilft es, wenn wir unser Gegenüber besser kennenlernen. 

Eines der großen Probleme selbst oder grad auch in der Landtagsfraktion: Wen kenne ich eigentlich wirklich?
Es ist unmöglich _jeden_ Piraten besser kennen zu lernen. Aber die, mit denen man oft und regelmäßig zusammenarbeitet (oder zusammenarbeiten muss), ist es aber sicher einfacher. Hierbei muss man sich auch drauf einlassen mit Menschen etwas zu tun zu haben, mit denen man eigentlich nicht reden würde. Eine normale Situation in der Arbeitswelt.

Und da sind wir auch schon bei der nächsten Hürde in Sachen Kritik, der Kritikkompetenz aka aktive und passive Kritikfähigkeit.

Wie bewirke ich, dass  Kritik nicht direkt negativ aufgefasst wird (auch bei mir selbst nicht) und nur bewirkt, dass das Gegenüber (oder ich selbst) die Schutzmauern weiter hoch zieht und in eine Rechtfertigungshaltung kommt?

Die ersten Fragen die ich mir stellen sollte, bevor ich auf was reagiere oder Kritik äußere, ist: Hab ich die Äußerung/Situation richtig verstanden? Kenne ich alle Fakten? Kenne ich die Hintergründe? Speziell auf Twitter: Kenne ich die gesamte Konversation oder poltere ich grad mal mitten in den Kontext? Ist das, was ich verstanden habe auch das, was der Sender sagen wollte und meinte? Kenne ich die Situation und Sichtweise aus der heraus sich geäußert wird? 

Das Problem an digitaler Kommunikation ist, dass ich keinen Tonfall höre, keine Mimik und Gestik sehe und eventuell auch nur begrenzten Raum zur Verfügung habe. Das macht es uns auch so schwer die Dinge aus der digitalen Kommunikation richtig einzuordnen und zu interpretieren. Uns fehlt der menschliche Bezug (zumindest bei den Menschen, die man nicht wirklich gut kennt). So laufen wir schnell Gefahr, Situationen falsch einzuordnen und miss zu verstehen.

Eine weitere Frage ist: Ist es grad eine persönliche oder sachliche Kritik?
Kurz vorab: Aus unserer Sicht ist grad persönliche Kritik in unserer virtuellen Welt sehr schwierig! Es gibt nur wenige Ausnahmen, aber dafür sollte ich den Menschen schon ziemlich gut kennen. Ansonsten: Persönliche Kritik sollte immer persönlich geäußert werden! Sprecht denjenigen doch einfach bei nächster Gelegenheit an, zur Not nehmt das Telefon in die Hand (wobei auch hier der Part der Mimik / Gestik fehlt) und sprecht über euer Empfinden. Wenn die persönliche Kritik so wichtig ist, dann nehmt Euch die Zeit dafür!

In den meisten Fällen im Bezug auf die Parteiarbeit reden wir von sachlicher Kritik. 
Nehmen wir beispielsweise den Bundestagswahlkampf. Wir sind alle seit dem 22.09. dabei zu überlegen,  was falsch gelaufen ist und was verbessert werden muss. In den meisten Fällen läuft die Kritik sehr konstruktiv und hat Optimierungen zum Ziel. Doch auch hier zeigte sich mal wieder, wie schnell sachliche Kritik, im Verlaufe des Dialoges, in persönliche Kritik umschlägt und damit Leuten, die sich tierisch den Allerwertesten aufgerissen haben, vor den Kopf stößt. Es fängt oft mit wenigen Textzeilen an, die ein Problem ansprechen, meist noch sehr sachlich. Doch dann trifft die Mail den Nerv bei Einigen und es wird genutzt um sich erst mal eine Runde auszukotzen. Und das ganze ohne sich vorher mal zu überlegen, wie sich der Mensch in der Situation fühlt. Wie jemanden, die sachliche Kritik persönlich treffen könnte. Und schon ist der Stein ins Rollen gekommen...
Alles wird rausgehauen ohne Rücksicht und Respekt auf den Menschen der dahinter steht und wieder werden Ehrenamtler verschreckt, weil sie sich genau das nicht mehr länger geben wollen.

Nein, das wird kein Aufruf dazu, mit Kritik hinterm Berg zu halten. Wie oben schon geschrieben, ist Kritik sehr wichtig. Es gibt zahlreiche Methoden um Kritik vernünftig zu kanalisieren und vor allem auch aufzubereiten. Dazu bedarf es im Regelfall eines Individuums, der sich dessen annimmt und den Vorgang anstößt. Hier ist ein Punkt, wo wir als Partei auch professioneller werden müssen. Die Tatsache, dass Feedback nach dem Bundestagswahlkampf gesammelt werden muss, kommt ja nicht ganz überraschend und war ungeachtet des Ergebnisses auch im Vorfeld klar. Hierzu bedarf es also auch einer gewissen Planung im Vorfeld. Eine Veranstaltung wie die "Wir müssen reden" am 3.11. in Kerpen ist ein sinnvoller Ansatz. Für eine zügige Nachbetrachtung der Bundestagswahl allerdings leider auch etwas spät - aber nicht zu spät. Auch unsere Landtagsfraktion hat gelernt und diese Dinge mittlerweile auf dem Radar. Es finden vorbereitete Klausurtagungen statt, die die Arbeit weiter verbessern werden. 

Häufig geht es bei Kritik nicht um das was, sondern um das wie! Ich sollte mir vor abschicken einer Nachricht überlegen, was ich demjenigen sagen möchte und mir den Text nochmal genau durchlesen, ob auch das daraus gelesen werden kann. Vielleicht sollte ich mir auch überlegen vor der eigentlichen Kritik auch mal zu sagen was gut gelaufen ist oder was ich an dem anderen schätze. Das zeigt erst mal, dass ich die Arbeit des anderen respektiere und schätze und öffnet zugleich für Kritik. Dann sollte ich mir auch überlegen wie ich die Kritik selbst äußere. Mit „du  musst, du musst, du musst“ kommt man meistens nicht weit. Versucht es  doch lieber als Vorschlag zu formulieren:

Statt „Das ist scheiße gelaufen, weil du das und das gemacht hast. Du musst das und das anders machen!“ lieber „Das und das ist gut gelaufen, leider konnten wir aber doch nicht das erreichen was wir erreichen wollten. Was würdest du davon halten wenn wir das und das mal anders machen würden und zwar indem wir (...)?“
Ihr merkt vielleicht schon selbst beim lesen, dass beide Äußerungen genau das selbe sagen, aber bei einem selbst ein jeweils ein ganz anderes Gefühl auslösen.

Hier geht es schlicht und ergreifend um Respekt. Respekt demjenigen gegenüber, den ich da grad kritisiere. Wenn ich z. B. gar nichts Gutes an jemandem oder einem Prozess finde, bin ich vielleicht der falsche Absender der Kritik, weil meine Kritik beim Kritisierten einfach verhallen wird. Aber auch als Kritisierter muss ich stets versuchen, Persönliches aus dem gelesenen und gehörten zu filtern. Nein, es ist unmöglich, komplett auszublenden, von wem die Kritik kommt. Aber ich sollte zumindest versuchen herauszufinden, was an der geäußerten Kritik objektiv betrachtet, vielleicht doch hilfreich für meine Arbeit ist. 

Zu Guter Letzt: 
Wichtig ist es auch einfach mal Gutes zu sagen:

"Es ist leicht, ein Werk zu kritisieren. Aber es ist schwer, es zu würdigen."
Luc de Clapier Vauvenargues (1715 - 1747) 

Wie leicht es ist, etwas zu kritisieren und Fehler zu finden sehen wir daran, wie oft kritisiert wird. 
Wie schwer es aber  ist, zu loben und nette, wärmende und vor allem ehrliche Worte zu finden, die nicht einfach "Du bist nett" oder "Das hast du toll gemacht" beinhalten sehen wir daran, dass genau letzteres so selten geschieht. Oder sind wir wirklich so schlecht, dass immer und immer wieder nur die Kritiker zu Wort kommen?

"Der Jammer mit den Weltverbesserern ist, dass sie nicht bei sich selber anfangen."
Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Schriftsteller

Kluge Worte. Also machen wir das. Das mit dem anfangen. Bei uns selbst. Und wir werden Euch daran erinnern, dass ihr das auch machen solltet. Und wenn wir mal nicht dran denken, erwarten wir Kritik. Von Euch! Oder uns. 

In diesem Sinne, 

Wir.