19.08.2010

Ich verliere mal ebend die Realität!

Jeder kennt den Gedächnisschwund [Amnesie].


Amnesie kann sowohl nach Unfällen, beispielsweise bei einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Gehirnerschütterung, als auch bei Epilepsie, Meningitis, Enzephalitis oder auch einem Hirnschlag auftreten. Mögliche Ursachen für eine Amnesie sind außerdem die Hypoxie, die Demenz oder Migräne oder eine Elektrokonvulsionstherapie.
[Quelle: Wikepedia Fachbegiffe sind verknüpft]

Ich habe mal das Buch 'Von jetzt auf gleich' von Caprice Crane gelesen. Echt toll.
Klapptext:
'Sie ist 25 und ein bisschen zu nett für diese Welt. Deswegen springen alle privat und beruflich richtig fies mit Jordan um. Nach einem Fahrradunfall wittert sie die Chance auf einen Neuanfang: Sie simuliert einen Gedächtnisverlust. Keine Erinnerungen – keine Probleme. Plötzlich hat sie ihren Alltag wieder im Griff, wird geschätzt und geliebt. Aber
genau dann passiert das, was nun wirklich nicht hätte passieren dürfen: Jordan
bekommt einen Baseball an den Kopf, wird ohnmächtig – und weiß danach wirklich
nicht mehr, wer sie ist… '
Das wäre was für mich. Nein. Nicht so tun, sondern wirklich mal ein Baseball [was natürlich schwer werden könnte, da hier niemand Baseball spielt] an den Kopf zu bekommen.
Natürlich tun beliebige andere Gegenstände auch ihre Wirkung, denk ich mal.
Aber ich glaube, mir ist schon vieles auf den Kopf gefallen, ich weiß noch wie mein kleiner Bruder mich mir irgendeinem Schläger geschlagen hat. Hat gebluetet, aber ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls, so eine Amnesie würd mir gut tun, die Vergangenheit vergessen. Nur mit der Geganwart &' der Zukunft leben. In der Vergangenheit ist so viel passiert, das überwiegende war bestimmt, das NiCHT schöne.
Aber, was wäre mit den schönen Sachen?! Einfach weg!?
Wie könnt ich nur vergessen wollen, dass ich iHN kennen gelernt habe oder meine ganzen Erlebnise mit meinen Mädels.

Und genau JETZT weich ich mal ebend kurz von der Realität ab.
Ich brauche eine Maschine, wir alle könnten sie mal gebrauchen.
In dem Moment, wo man etwas vergessen will, wo man an der Vegangenheit nagt und sich selber damit kaputt macht.
Z.B. bei Liebeskummer. Diesen Typen einfach auslöschen aus dem Gehirn.
Irgendwelche Taten die einem selber nicht gut bekommen, löschen.
Das schlimmste ist, wenn die Vergangenheit einen kaputt macht, jemanden am Leben hintert, am frei sein, neues entdecken, spaß haben.

Los ihr Wissenschaftler, forscht, arbeitet, experementiert!

Oder hab ich grad doch nur einfach die Realität verloren!?

07.08.2010

Momente der Stille

Um es zu verarbeiten.

26.5.2010
Der Tag fing an wie jeder andere auch. Früh Aufstehen. Fertig machen. Zur Schule fahren.
An diesem Tag sollten wir die Deutscharbeit schreiben. Die ersten beiden Stunden.
Wir saßen in der Klasse, redeten, lachten. Einige lasen sich noch hektisch ein Merkblatt durch. Schüler aus anderen Klassen waren auf dem Weg in die Fachräume.
Wie immer.
Doch dann kam eine Durchsagen: „Alle Schüler gehen in ihre eigenen Klassen. Die Klassenlehrer werden gleich kommen.“
Wir waren verwirrt. Haben uns gefragt, was los ist. Wie immer, wenn etwas Seltsames ist.
Unsere Klassenlehrerin kam. Man konnte in ihrem Gesicht lesen, dass etwas passiert war. Etwas, was nichts Gutes hieß.
Ich habe meine eigenen Gedanken zusammen gesponnen. Wusste, dass es krass ist. Aber, dass es dann so kam, damit hätte ich im Leben nicht mitgerechnet.
Frau B. stellte ihre Sachen ab, ging zum Fenster um die Rollos herunter zu machen. Wir schauten sie alle gespannt an. Erst sagte sie gar nichts, doch dann sagte sie: „Ich muss euch leider mitteilen, dass über das Wochenende Frau H. verstorben ist.“
Schock!
Es war leise in der Klasse. Es war nicht das Leise, wie bei einer Klassenarbeit. Es war anders.
Ich glaube keiner konnte es glauben.
Aber diese Stille. Es war anders als sonst. Irgendwie war diese Verbundenheit da. Eine Verbundenheit, die es sonst nicht gibt.
Selbst als Frau B. etwas fragte, war diese Stille. Es war einfach nicht greifbar. Für uns, und allen anderen, kam das total unerwartet.
Wir hatten sie noch vorherige Woche, donnerstags. Sie lachte, scherzte. Sie war immer so lebendig. Voller Leben.
Dann sagte Frau B. noch: „Am Freitag sagte sie mir noch, wie gerne sie in diese Klasse geht.“
Da war es zu Ende. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf. Hätte am liebsten meinen Kopf gegen die Wand gehauen.
Ich versuchte mir zu sagen, dass sie Tod ist.
Doch jedes Mal wenn ich mir das sagte, schallten ihre Worte durch meinen Kopf: „Du Idiot.“ „Du Blödmann.“ „Das ist keine Beleidigung, sondern eine Feststellung.“

Am nächsten TagWir hätten sie gehabt, sofort die ersten zwei Stunden. Dieses Mal war es komisch dass wir Vertretung hatten, dieses Mal steckte etwas ganz anderes dahinter.
In der ersten Pause war Musikpause. Wir haben eine Schweigeminute gemacht. Einige Schüler kamen zum Haupteingang und stellten sich dort hin. Sie standen ruhig da. Kein geschubse, kein Getuschel. Alles wie erstarrt. Es wurde nicht gelacht, alle blickten nachdenklich, in sich getaucht.
Ein Lehrer ging total in sich gekehrt an uns vorbei. Man sah alle Worte seinem Gesicht an. So ausdrucksstark – voller Trauer.
Mir standen die Tränen in den Augen. Es war etwas Magisches. Der Schulhof – leise.
Alle ein Gedanke – alle Trauer.
Plötzlich lief ein langsames, trauriges Lied. Es unterstrich alles, was auf dem Schulhof passierte. Es drückte alles noch besser aus.
Und da war wieder diese Gefühlswelle.
Wenn sie uns doch gesehen hätte…
Man hätte ihr so viel sagen können.
Doch von heute auf morgen war sie weg.


[Vorgetragen am 11.6.2o1o, Trauergottesdienst]