Um es zu verarbeiten.
26.5.2010
Der Tag fing an wie jeder andere auch. Früh Aufstehen. Fertig machen. Zur Schule fahren.
An diesem Tag sollten wir die Deutscharbeit schreiben. Die ersten beiden Stunden.
Wir saßen in der Klasse, redeten, lachten. Einige lasen sich noch hektisch ein Merkblatt durch. Schüler aus anderen Klassen waren auf dem Weg in die Fachräume.
Wie immer.
Doch dann kam eine Durchsagen: „Alle Schüler gehen in ihre eigenen Klassen. Die Klassenlehrer werden gleich kommen.“
Wir waren verwirrt. Haben uns gefragt, was los ist. Wie immer, wenn etwas Seltsames ist.
Unsere Klassenlehrerin kam. Man konnte in ihrem Gesicht lesen, dass etwas passiert war. Etwas, was nichts Gutes hieß.
Ich habe meine eigenen Gedanken zusammen gesponnen. Wusste, dass es krass ist. Aber, dass es dann so kam, damit hätte ich im Leben nicht mitgerechnet.
Frau B. stellte ihre Sachen ab, ging zum Fenster um die Rollos herunter zu machen. Wir schauten sie alle gespannt an. Erst sagte sie gar nichts, doch dann sagte sie: „Ich muss euch leider mitteilen, dass über das Wochenende Frau H. verstorben ist.“
Schock!
Es war leise in der Klasse. Es war nicht das Leise, wie bei einer Klassenarbeit. Es war anders.
Ich glaube keiner konnte es glauben.
Aber diese Stille. Es war anders als sonst. Irgendwie war diese Verbundenheit da. Eine Verbundenheit, die es sonst nicht gibt.
Selbst als Frau B. etwas fragte, war diese Stille. Es war einfach nicht greifbar. Für uns, und allen anderen, kam das total unerwartet.
Wir hatten sie noch vorherige Woche, donnerstags. Sie lachte, scherzte. Sie war immer so lebendig. Voller Leben.
Dann sagte Frau B. noch: „Am Freitag sagte sie mir noch, wie gerne sie in diese Klasse geht.“
Da war es zu Ende. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf. Hätte am liebsten meinen Kopf gegen die Wand gehauen.
Ich versuchte mir zu sagen, dass sie Tod ist.
Doch jedes Mal wenn ich mir das sagte, schallten ihre Worte durch meinen Kopf: „Du Idiot.“ „Du Blödmann.“ „Das ist keine Beleidigung, sondern eine Feststellung.“
Am nächsten TagWir hätten sie gehabt, sofort die ersten zwei Stunden. Dieses Mal war es komisch dass wir Vertretung hatten, dieses Mal steckte etwas ganz anderes dahinter.
In der ersten Pause war Musikpause. Wir haben eine Schweigeminute gemacht. Einige Schüler kamen zum Haupteingang und stellten sich dort hin. Sie standen ruhig da. Kein geschubse, kein Getuschel. Alles wie erstarrt. Es wurde nicht gelacht, alle blickten nachdenklich, in sich getaucht.
Ein Lehrer ging total in sich gekehrt an uns vorbei. Man sah alle Worte seinem Gesicht an. So ausdrucksstark – voller Trauer.
Mir standen die Tränen in den Augen. Es war etwas Magisches. Der Schulhof – leise.
Alle ein Gedanke – alle Trauer.
Plötzlich lief ein langsames, trauriges Lied. Es unterstrich alles, was auf dem Schulhof passierte. Es drückte alles noch besser aus.
Und da war wieder diese Gefühlswelle.
Wenn sie uns doch gesehen hätte…
Man hätte ihr so viel sagen können.
Doch von heute auf morgen war sie weg.
[Vorgetragen am 11.6.2o1o, Trauergottesdienst]
Wirklich traurig, was da passiert ist. Ich hatte auch ein bisschen Tränen in den Augen als ich den Text gelesen habe. Weiß man denn, wieso sie gestorben ist?
AntwortenLöschenWow. Den Text finde ich so hammer gut geschrieben. Es beschreibt wirklich die Lage. Der Text hat uns alle in der Kirche bei der Trauerfeier berührt. Hut ab, für die, die so einen Text schreiben kann.
AntwortenLöschen@ Chriz: Es wird gemunkelt - Aber offiziell will sich dazu keiner äußern.
Danke Schützi (:
AntwortenLöschenDanke!